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Die Glocken in unseren Kirchen

 

 

 

 

„Hörst du nicht die Glocken läuten? ...“ Warum und wann läuten die Kirchenglocken in unseren Orten?

 

Glocken, die „größten Freiluftinstrumente“, rufen uns Christenmenschen seit über 1500 Jahren zum Gottesdienst und Gebet. Feierliches Läuten erschallt zu freudigen und traurigen Anlässen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Pfarrerin Schmidt-Köber erklärt, dass es mehr als ein Ruf ist: „Glockengeläut ist die Einladung zum Gebet. Wenn ich dieses Geläut höre, halte ich inne und bringe alle Menschen vor unseren Herrgott.“

Dass uns das Läuten morgens, mittags und abends zu einer Auszeit einlädt, bekräftigt auch Thomas Wilhelm, Glockenbeauftragter unserer Landeskirche. Nicht nur bei uns, in vielen Kulturen sei das so. Die heutigen Läutezeiten lehnten sich im Übrigen an die Gebetszeiten in den Klöstern an.

Neben diesem „liturgischen“ Geläut gibt es den weltlichen Uhrschlag, stündlich oder öfters. Hierbei trifft ein Schlaghammer von außen auf die Glocke, die sich nicht bewegt. Anders als beim Geläut, bei dem die Glocken schwingen und ihren vollen Klang entfalten. Der Uhrschlag unterliegt im Gegensatz zum Geläut den Lärmschutzrichtlinien.

Gibt es Klagen, nimmt der Sachverständige vor Ort Messungen vor und gibt Tipps, wie man etwa durch Veränderungen an den Schallläden oder den Uhrhämmern den Schall reduzieren kann. So geschehen in Laubuseschbach im Sommer 2021. Die Lösung war einfach: ein zusätzliches Gewicht am Hammer konnte entfernt werden und der Schall liegt seither im Normalbereich.

Wann läuten denn die Glocken in Langenbach, Laubuseschbach und Rohnstadt, abgesehen vom Uhrschlag?

Überall gibt es das Geläut zu Gottesdienstbeginn und während des Vaterunsers im Gottesdienst und während Trauerfeiern bzw. wenn Sarg oder Urne zum Grab getragen werden. Außer in Rohnstadt läuten die Glocken auch eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes.

Es gibt das Morgenläuten um 6 Uhr, das Mittagläuten (um 11 oder 12 Uhr) und das Abendläuten (um 18 Uhr, außer in Langenbach, s.u.). In Rohnstadt führt das alles die Glocke am Backhaus aus, wie auch den Stundenschlag. In Langenbach hört man das Abendläuten, das auch den Abschluss des Tagwerks signalisiert, im Sommer um 19 Uhr und im Winter um 17 Uhr, angepasst an die helleren und dunkleren Tage im Jahr.

Und was hat es mit dem „Feiertagsläuten“ am späten Samstagnachmittag auf sich? Damit wird der Sonntag, der Tag der „Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“, wie es im Grundgesetz heißt, eingeläutet – in Langenbach um 16.30 Uhr und in Laubuseschbach um 17.20 Uhr. Wie die meisten anderen Zeiten hat es ein lange Tradition. Änderungen in der Läuteordnung können nur per Beschluss im Kirchenvorstand geändert werden.

Mit dem Geläut kann auch ein Zeichen gesetzt werden. So gab es das Coronaläuten um 19.30 Uhr (volles Geläut) als Zeichen der Solidarität und als Ruf zum Gebet. Fast seit Beginn des Ukrainekriegs ertönt mittags um 12 Uhr in Langenbach und Rohnstadt ein sogenanntes „Friedensgeläut“.

 

 

 

 

 

Die Georgsglocke in Langenbach 

Die Georgsglocke in Langenbach ist die große, alte Dame unter den Glocken in unseren drei Kirchen (in Laubuseschbach, Langenbach und Rohnstadt). 1444 wurde sie gegossen. Damit ist sie eine der ältesten im ganzen Nassauer Land!

Ihr Durchmesser beträgt 81 cm und sie trägt folgende Aufschrift: „O König der Herrlichkeit, komme mit Frieden. Christian Duisterwalt hat mich gemacht im Jahre des Herrn 1444“. Im lateinischen Original heißt das: O REX GLORIE VENI  CUM PACE +++ CRISTIANI DUISTERWALT  ME FECIT ANNO DOMINI MCCCCXLIIII.

Auf der Glocke findet sich unter anderem ein Bild des Heiligen Georgs, des Drachentöters, und des Heiligen Antonius.

(Dieser Text wurde aus dem Gemeindegruß für Dezember-Januar 2021/22 übernommen).

 

 

 

„Kocht des Kupfers Brei…“ - Die Glocken in der Rohnstädter Lutherkirche (1):

Nach der Vorstellung der ältesten Glocke, der Georgsglocke in Langenbach, machen wir im zweiten Teil dieser Reihe einen großen Sprung, hin zu den beiden jüngsten. Ihre Entstehung ist besonders gut dokumentiert.

Nehmet Holz vom Fichtenstamme, doch recht trocken lasst es sein,
Dass die eingepresste Flamme schlage zu dem Schwalch* hinein.
Kocht des Kupfers Brei, schnell das Zinn herbei,
Dass die zähe Glockenspeise fließe nach der rechten Weise
.  *Dampf, Qualm, Rauch des Feuers

„Dass die zähe Glockenspeise“ – bildhafter als Schiller kann man den Guss einer Bronzeglocke kaum beschreiben. Genau diesen Vorgang erlebten 1988 zahlreiche Menschen aus Rohnstadt und ihr damaliger Pfarrer und Dekan Claus-Peter Harmert mit, als sie beim Guss der beiden Glocken für ihre Lutherkirche dabei sein konnten. Ort des Geschehens war die Gießerei Rincker in Sinn: In die hohlen Glockenformen aus Lehm floss die etwa 1100 Grad Celsius heiße Masse aus 78% Kupfer und 22% Zinn. Ein spannender Moment, denn es muss zum Gelingen in einem Zug gegossen werden, und alles entscheidet sich in wenigen Minuten. Auch für die Glockengießer selbst ist es immer wieder ein großer Tag: Wird ihr lange vorbereitetes Werk gelingen – wird die Glocke in Zukunft den gewünschten Ton erschallen lassen?

Ein Blick auf die Vorgeschichte: Seit die Lutherkirche 1953 eingeweiht worden war, läutete zu allen Anlässen nur die kleine Glocke vom alten Rathaus herüber. Die Kirche war mit viel Eigenleistung gebaut worden und hatte bereits einen Dachreiter, der Raum für zwei Glocken bot. Doch für sie war zunächst kein Geld da.

Hier kam der rührige Evangelische Frauenkreis unter Vorsitz von Christel Schäfer ins Spiel. Zielstrebig und mit langem Atem warb der Kreis über Jahre Spenden ein. Der Ev. Frauenkreis selbst spendete drei Mal die Erlöse aus seinen Martinimarkt-Basaren. Die beiden Kirchenvorsteherinnen Wilfriede Freund und Christel Schäfer nahmen eine Haussammlung vor, welche von den Bürgern, Vereinen und der CDU großzügig bedacht wurde. So konnte die etwa 19.000 DM teure Herstellung und Montage der Bronzeglocken in Auftrag gegeben werden.

Vorher war noch zu klären, welche Tonhöhe die Glocken haben sollten. Zusammen mit Dekan Harmert und weiteren Gemeindegliedern besuchte Christel Schäfer verschiedene Kirchbauten in Frankfurt und lauschte dem Geläut. Schließlich wurden die Töne g und b gewählt. Es entstand eine g-Glocke, 84 kg schwer und 51,9 cm im Durchmesser und eine b-Glocke, 55 kg schwer und mit einem Durchmesser von 44,5 cm.

Im Herbst 1988 trafen die Glocken in Rohnstadt ein, wo sie zunächst auf dem Hof Ramshardt auf ihren Einsatz warteten. Denn ganz sang- und klanglos sollten sie nicht an ihren Einsatzort gelangen. Im Gegenteil! Für den 29. Oktober 1988 wurde ein großes Festprogramm geplant um sie zur Kirche zu geleiten und zu weihen. - Über diesen Tag berichten wir in einem künftigen Beitrag.

Entnommen aus dem Gemeindegruß, Ausgabe Feb.-März 2022

 

 

 

„Ist auch all redlich bezahlet worden“ – die jüngeren Glocken in der Langenbach Kirche

Die Langenbacher Kirchenchroniken sind gut erhalten und besondere Schätze. Durch sie erfahren wir auch Details über die Kirchenglocken. Neben der (bereits beschriebenen) Georgsglocke von 1444 hängen im Langenbacher Kirchturm zwei weitere Glocken. Sie wurden 1698 gegossen.

Doch schon davor schallte von der Kirche ein dreiglockiges Geläut, bis eine der Glocken zersprang. In der Kirchenchronik hat der damalige Pfarrer Chun vermerkt: Anno 1698 hat man die zwey kleinen Glocken weil die Mittelste zersprungen war, umgießen lassen durch M. Tilmann Schmitt, Glockengießer zu Aßlar. Man hat sie nach Aßlar geführt, und sind daselbst gegossen worden.“

Sogar die entstandenen Material- und Arbeitskosten zählt er auf: „Auch hat man anderthalben Zentner Metall zugesetzt; 1 Zentner 31 Taler, thut zusammen 46 1/2 Taler. Dem Glockengießer zu Lohn geben 26 Taler. Kosten also diese 2 Glocken in einer Summe macherlohn und Zusatz 72 1/2 Taler.“ Damals wie heute werden neue Glocken feierlich eingeweiht: „Auff das Pfingstfest hat man zum erstenmahl damit geläutet, und hat der Glockengießer Versprochen bey Treu und glauben, Jahr und Tag guth dafür zu seyn und wann sie in solcher Zeit schaden leyden und zerspringen, will er sie auf seine Kosten umschmeltzen. Ist auch all redlich bezahlet worden laut Quittung."

Alles richtig gemacht: Wiederverwendung des Materials, Gewährleistung des Herstellers (Glockengießers) und vollständige Bezahlung.

Die Glocken tragen die Aufschrift: „Soli Deo Gloria“ - Gott allein gebührt Ehre! -, den Namen des Glockengießers und den Ortsnamen, Langenbach. Außerdem steht auf der einen Glocke der Name des Pfarrers, Friedrich Martin Kun [Chun], auf der anderen der des Ortslehrers Johan Philipus Myck, dazu das Jahr: 1698.

Stellen Sie sich vor: Seit 1698 ist das Geläut der drei Glocken unverändert. Wie viele Generationen hat es in Langenbach begleitet und zum Gottesdienst gerufen, bis heute, und wie oft hat es den Sonntag eingeläutet? - Allerdings gab es eine Zeit, in der nur noch die Georgsglocke zu hören war. Doch davon erzählen wir ein andermal…

Herzlichen Dank an Jürgen Caspari für alle Informationen (s.a. www.langenbach-info.de – Bilder von Th. Schmoll)! (Entnommen aus dem Gemeindegruß, Ausgabe April-Mai 2022)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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